Was Webdesign-Agenturen oft nicht offen kommunizieren

Sechs Fragen, die im Vertriebsgespräch oft nicht von selbst beantwortet werden — obwohl Sie die Antworten kennen sollten.

Transparenz Redaktion Klartext Webdesign 5 Min. Lesezeit
Person schaut auf Dokumente — Symbol für Vertrag und Prüfung
Foto: Christina / Unsplash

Wenn Sie als Unternehmen eine Webdesign-Agentur beauftragen, bekommen Sie ein Vertriebsgespräch, ein Angebot und einen Vertrag. Was Sie oft nicht bekommen: die Details, die Sie eigentlich wissen sollten. Das ist nicht immer böse Absicht — viele dieser Punkte werden einfach nicht besprochen, weil niemand danach fragt. Hier kommen die sechs wichtigsten.

Punkt 1: Wer das Projekt tatsächlich umsetzt

Die Person, die Sie im Vertriebsgespräch sehen, ist selten die Person, die Ihre Website baut. Bei vielen Agenturen arbeitet ein Account-Manager oder Projektleiter im Kundenkontakt — die eigentliche Umsetzung läuft über Entwickler, die Sie nie zu Gesicht bekommen.

In manchen Fällen sind diese Entwickler interne Mitarbeiter. In vielen Fällen sind es externe Freelancer, Whitelabel-Partner oder sogar Teams im Ausland. Das ist nicht per se schlecht, aber Sie sollten wissen, wer Ihre Arbeit tatsächlich macht.

Frage, die Sie stellen sollten: „Wer setzt mein Projekt konkret um? Arbeite ich direkt mit dem Entwickler oder über einen Projektleiter?"

Eine gute Antwort nennt konkret Namen. Eine ausweichende Antwort wie „unser Team" oder „je nach Verfügbarkeit" ist ein Warnsignal.

Punkt 2: Wie Stundensätze kalkuliert werden

Wenn eine Agentur mit Stundensatz arbeitet, bekommen Sie am Ende eine Rechnung über viele Stunden. Die Frage ist: Wie werden diese Stunden erfasst und bewertet?

Typische Stolperfallen:

  • Minimale Abrechnungseinheit: Manche Agenturen rechnen in 15-Minuten-Blöcken ab — eine fünfminütige E-Mail kostet dann 15 Minuten.
  • Reisezeit: Wird Reisezeit zu Kundenterminen abgerechnet? Zu welchem Satz?
  • Interne Meetings: Werden interne Team-Meetings, in denen Ihr Projekt besprochen wird, mitberechnet?
  • Recherche und Konzept: Werden Konzept-Stunden mit dem gleichen Satz wie Umsetzungs-Stunden berechnet?

Frage, die Sie stellen sollten: „Wie genau werden die Stunden erfasst, und welche Stunden sind abrechenbar?"

Wenn die Antwort schwammig ist, ist Vorsicht geboten. Unklarheit hier führt später zu unangenehmen Rechnungen.

Punkt 3: Was im Standard-Vertrag wirklich steht

Die meisten Kunden unterschreiben Webdesign-Verträge, ohne sie gründlich zu lesen. Das ist verständlich — juristische Texte sind anstrengend. Es ist aber riskant, weil Standard-Verträge fast immer Klauseln enthalten, die zugunsten der Agentur formuliert sind.

Häufige Stolperfallen:

  • Nutzungsrechte: Liegen die Rechte am Design bei Ihnen oder bei der Agentur? Können Sie das Design auf andere Medien übertragen?
  • Quelldateien: Bekommen Sie die Quelldateien, oder behält die Agentur sie?
  • Hosting-Bindung: Müssen Sie das Hosting bei der Agentur nehmen, oder ist freie Wahl möglich?
  • Kündigungsfristen: Wie lange ist die Mindestlaufzeit, wie kündigen Sie?
  • Haftung: Wer haftet bei Sicherheitsproblemen oder Datenverlust?

Frage, die Sie stellen sollten: „Können Sie mir die Standard-Klauseln zu Nutzungsrechten, Quelldateien und Kündigung durchgehen?"

Wer diese Fragen vorher klärt, vermeidet böse Überraschungen später.

Punkt 4: Wem die Quelldateien gehören

Das ist einer der häufigsten Konfliktpunkte — und einer der am seltensten besprochenen. Wenn Ihre Website fertig ist, existieren verschiedene Dateien: HTML, CSS, JavaScript, eventuell Photoshop- oder Figma-Designdateien, Datenbank-Exporte, Build-Konfiguration.

Bei vielen Agenturen gilt: Die Quelldateien bleiben bei der Agentur. Sie bekommen nur die laufende Website. Wenn Sie später den Dienstleister wechseln wollen, starten Sie praktisch bei null — die neue Agentur kann nicht auf den bestehenden Code aufbauen.

Frage, die Sie stellen sollten: „Bekomme ich nach dem Projekt alle Quelldateien? Welche konkret?"

Eine gute Antwort: „Ja, alle. Wir schicken sie Ihnen zum Projektende per Download-Link oder auf einen USB-Stick." Eine schlechte Antwort: „Die Quelldateien brauchen Sie normalerweise nicht — wir hosten ja bei uns."

Punkt 5: Was passiert, wenn Sie wechseln wollen

Eine Agentur verdient nicht am einmaligen Projekt — sondern an der langfristigen Beziehung. Hosting, Wartung, laufende Anpassungen. Genau deshalb sind viele Agentur-Strukturen darauf ausgelegt, Wechsel schwierig zu machen.

Typische Lock-In-Konstruktionen:

  • Proprietäre Backend-Systeme, die nur die Agentur bedienen kann
  • Hosting mit komplizierten Export-Prozessen
  • Fehlende Dokumentation, wie die Site aufgebaut ist
  • Plugin-Lizenzen auf Agentur-Namen, die nicht übertragbar sind
  • Domain beim Agentur-Provider registriert, ohne klare Transfer-Möglichkeit

Frage, die Sie stellen sollten: „Wenn ich in zwei Jahren zu einem anderen Dienstleister wechseln möchte — welche Schritte sind dafür nötig?"

Eine gute Antwort: Ein klarer Prozess, der Sie auch ohne die Agentur handlungsfähig lässt. Eine schlechte Antwort: Vage Andeutungen oder der Verweis auf „das brauchen Sie eh nicht".

Punkt 6: Wie SEO und Wartung tatsächlich abgerechnet werden

„SEO-optimiert" und „inklusive Wartung" stehen auf jedem Webdesign-Angebot. Was sie konkret bedeuten, ist oft sehr unterschiedlich.

SEO-Optimierung kann heißen:

  • Grundlegende Meta-Tags und Sitemap (Basis-Minimum, kostet 1 Stunde)
  • Schema-Daten und strukturierte Inhalte (Standard-Qualität)
  • Aktive Keyword-Recherche und Content-Strategie (eigenständiges Projekt)
  • Laufende SEO-Betreuung (monatliches Abo)

„Inklusive Wartung" kann heißen:

  • Server-Wartung (Technik funktioniert weiter)
  • Kleine Korrekturen (z.B. Telefonnummer ändern)
  • Umfangreiche Inhalts-Updates (eigenständiger Auftrag)
  • Sicherheits-Updates (oft separat abgerechnet)

Frage, die Sie stellen sollten: „Was konkret ist bei SEO und Wartung im Preis enthalten? Was kostet extra?"

Ohne konkrete Definition sind das Marketing-Versprechen, keine Leistungsbeschreibungen.

Wie wir es handhaben

Wir versuchen, alle sechs Punkte vorab offen zu kommunizieren — nicht als Verkaufsargument, sondern weil es uns später Nachfragen erspart. Konkret:

  1. Wer umsetzt: Direkter Entwickler-Kontakt, kein Account-Manager dazwischen
  2. Stundensätze: Gibt es bei uns nicht. Festpreis für alles.
  3. Vertrag: Klare, kurze Klauseln, alle relevanten Punkte sichtbar
  4. Quelldateien: Gehören Ihnen. Sie bekommen sie nach dem Projekt automatisch
  5. Wechsel: Jederzeit möglich, kein Lock-In, keine versteckten Klauseln
  6. SEO und Wartung: SEO-Grundlagen sind im Festpreis drin. Wartung läuft über monatliche Hosting-Pakete mit klar definiertem Leistungsumfang

Das sind keine Besonderheiten, sondern die Grundlagen einer fairen Zusammenarbeit. Wenn eine Agentur bei diesen Punkten ausweicht, sollten Sie sich einen anderen Anbieter suchen — unabhängig davon, wie gut das Angebot sonst klingt.

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