Sie fragen bei einer Webdesign-Agentur nach einem Festpreis. Die Antwort: „Das können wir so nicht seriös beziffern, weil jedes Projekt individuell ist. Wir arbeiten mit einem Stundensatz von 120 Euro." Sie fragen bei der nächsten. Gleiche Antwort. Woran liegt das? Warum bieten so wenige Agenturen Festpreise an, obwohl das aus Kundensicht offensichtlich die bessere Wahl wäre? Hier kommt die ehrliche Analyse.
Wie Stundensatz-Modelle wirtschaftlich funktionieren
Aus Anbietersicht ist das Stundensatz-Modell komfortabel. Der Ablauf:
- Sie beauftragen das Projekt basierend auf einer Grobschätzung („wir rechnen mit 40-60 Stunden")
- Die Agentur arbeitet und trackt die Stunden
- Am Monatsende geht eine Rechnung raus
- Wenn das Projekt länger dauert, werden zusätzliche Stunden abgerechnet
- Wenn Sie zusätzliche Änderungen wollen, werden die ebenfalls abgerechnet
- Am Ende ist die Endrechnung deutlich höher als die Grobschätzung
Das Risiko liegt vollständig bei Ihnen. Die Agentur hat kein wirtschaftliches Interesse an Effizienz — je mehr Stunden anfallen, desto höher der Umsatz. Selbst wenn die Agentur fair arbeitet, ist die Anreizstruktur zugunsten längerer Projekte.
Warum Festpreise höheres Risiko für den Anbieter bedeuten
Beim Festpreis ist es umgekehrt: Die Agentur trägt das Risiko. Wenn sie sich in der Kalkulation verschätzt, arbeitet sie für weniger als geplant — oder sogar verlustreich. Das macht Festpreise für Anbieter unattraktiv, weil:
Erstens: Webdesign ist schwer zu schätzen. Wie viele Korrekturschleifen werden kommen? Wie schnell liefert der Kunde Inhalte? Kommen Zusatz-Features dazu? Wer schätzt, schätzt in Bandbreiten — und der Festpreis muss am oberen Ende dieser Bandbreite liegen, um sicher zu sein.
Zweitens: Kunden neigen dazu, Festpreis-Projekte anders zu behandeln. Wenn der Preis feststeht, versuchen manche Kunden, möglichst viel „mitzunehmen" — zusätzliche Anfragen, erweiterte Funktionen, nachträgliche Änderungen.
Dritttens: Jedes Festpreis-Projekt, das schiefgeht, frisst den Gewinn aus zwei guten Projekten auf. Das ist für Agenturen betriebswirtschaftlich schmerzhaft.
Welche Anbieter trotzdem Festpreise anbieten (und warum)
Trotz der Risiken gibt es Anbieter, die ausschließlich mit Festpreisen arbeiten. Die typischen Merkmale:
Spezialisierung auf einen engen Scope: Anbieter, die nur Mittelstands-Websites in einem definierten Format bauen, können Festpreise geben. Wer dagegen „alles von Landing-Page bis Konzern-Portal" macht, kann nicht sauber kalkulieren.
Standardisierte Prozesse: Wenn die Abläufe für jedes Projekt gleich sind, lassen sich Stunden verlässlich schätzen. Bei individuellen Agentur-Projekten mit jedem Mal neuen Workflows ist das nicht möglich.
Statische Technik statt CMS: Statisches HTML lässt sich präziser kalkulieren als WordPress-Projekte mit unerwartetem Plugin-Verhalten.
Direkter Entwickler-Kontakt: Ohne Account-Manager und Whitelabel-Ketten ist der Overhead berechenbar. Mit Ketten-Strukturen wird jede Kalkulation unsicher.
Das sind genau die Punkte, die wir uns zum Standard gemacht haben. Deshalb können wir Festpreise bieten, wo andere es nicht können — nicht weil wir mutiger kalkulieren, sondern weil unser Prozess standardisierter ist.
Was Sie als Kunde in beiden Modellen prüfen sollten
Beim Stundensatz-Modell:
- Seriöse Schätzung im Angebot: Eine gute Agentur gibt eine realistische Stunden-Bandbreite mit klaren Annahmen. „Grobschätzung: 40 Stunden, wenn Sie Texte liefern und eine Korrekturschleife ausreicht."
- Monatliche Stundenabrechnung mit Nachweis: Sie sollten jeden Monat sehen können, welche Stunden auf was entfallen sind.
- Stopp-Regel: „Wenn wir über X Stunden hinausgehen, melden wir uns und Sie entscheiden, ob wir weitermachen."
- Schriftlich fixierte Stundensätze für verschiedene Rollen (Designer, Entwickler, Projektleiter).
Beim Festpreis-Modell:
- Lieferumfang schriftlich und detailliert: Jede Sektion, jede Funktion, jede Unterseite aufgelistet. Was nicht drinsteht, ist nicht drin.
- Klarer Umgang mit Änderungen: Wie werden Zusatzwünsche behandelt? In der Regel als separate Festpreis-Angebote.
- Korrekturschleifen definiert: Eine oder zwei Schleifen inklusive? Was kostet eine zusätzliche?
- Liefertermin verbindlich: Mit klaren Voraussetzungen auf Kunden-Seite.
Welches Modell wann zu welchem Projekt passt
Die ehrliche Antwort: In 95 Prozent der Mittelstands-Projekte ist Festpreis die bessere Wahl. Die Ausnahmen sind:
Stundensatz macht Sinn bei…
- Komplexen Custom-Software-Projekten ohne klare Spezifikation
- Laufender Wartung mit unbekanntem Umfang
- Experimentier-Projekten, bei denen niemand vorher weiß, was am Ende rauskommt
- Sehr großen Projekten mit mehreren Phasen, die separat beauftragt werden
Festpreis macht Sinn bei…
- Typischen Firmenwebsites mit klarem Scope
- Relaunches mit definiertem Ergebnis
- Landing-Pages und Marketing-Seiten
- Allem, wo Sie als Kunde ein planbares Budget brauchen
Eine typische Mittelstands-Firmenwebsite fällt klar in die Festpreis-Kategorie. Dort ist der Verzicht auf Festpreis fast immer ein Nachteil für den Kunden.
Unser Vorgehen: Festpreis als Standard
Wir bieten grundsätzlich nur Festpreise. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern eine geschäftliche Entscheidung. Konkret:
- Briefing-Gespräch (60 Minuten, kostenlos)
- Schriftliches Angebot mit detailliertem Lieferumfang und Festpreis
- Keine versteckten Stunden, keine Nachforderungen
- Verbindliche Lieferzeit (vier Wochen bei Standard-Projekten)
- Eine Korrekturschleife inklusive
Wenn Sie nach dem Briefing merken, dass Ihr Projekt nicht in unsere Pakete passt, sagen wir das offen — und empfehlen gegebenenfalls einen anderen Anbieter. Das ist fairer als ein Festpreis, der am Ende wegen unklarem Scope trotzdem schiefgeht.
Was Sie bei einer Festpreis-Anfrage konkret tun können
Wenn Sie bei einer Agentur nach einem Festpreis fragen und abgelehnt werden, haben Sie drei Optionen:
- Akzeptieren Sie den Stundensatz — mit allen Konsequenzen. Kalkulieren Sie mit 150-200 Prozent der Grobschätzung als realistische Endsumme.
- Fragen Sie bei spezialisierten Festpreis-Anbietern — wie uns. Die gibt es, auch wenn sie im Markt weniger sichtbar sind.
- Reduzieren Sie den Scope, bis ein Festpreis möglich wird. Manche Agenturen geben Festpreise für klar abgegrenzte Teil-Projekte.
Eine generelle Empfehlung: Für Firmenwebsites im Mittelstand ist Festpreis die richtige Wahl. Wenn eine Agentur es nicht anbieten kann oder will, ist das ein Signal, dass ihre Prozesse nicht auf diese Art Projekte optimiert sind — und Sie anderswo vermutlich besser bedient werden.