„Modernes responsives Webdesign mit User-Experience-Optimierung und skalierbarer Architektur nach Best Practices." Klingt beeindruckend, bedeutet in der Praxis oft: Eine Website mit einem Standard-Template, die auf Handys lesbar ist. Marketing-Sprache im Webdesign-Vertrieb ist voll von Schlagwörtern, die viel versprechen und wenig garantieren. Hier kommt die Übersetzung.
„Modernes responsives Webdesign"
Was verkauft wird: Eine zeitgemäße Website, die auf allen Geräten funktioniert.
Was das eigentlich heißen sollte: Mobile-First-Ansatz, Lighthouse 90+, semantisches HTML, barrierefreie Struktur, kein Zooming auf Smartphones nötig.
Was es oft tatsächlich ist: Ein WordPress-Theme aus dem Jahr 2020, das „responsive" beworben wird, aber auf Mobile genauso aussieht wie auf Desktop — nur kleiner.
Wie Sie es prüfen: Öffnen Sie Beispielprojekte auf Ihrem Smartphone. Wenn Sie Text zoomen müssen, um lesbar zu werden, ist die Site nicht mobile-first. Wenn Buttons zu klein sind für Finger, ebenfalls nicht.
„SEO-optimiert"
Was verkauft wird: Die Website ist suchmaschinenfreundlich gebaut.
Was das eigentlich heißen sollte: Saubere HTML-Struktur, korrekte Meta-Tags, Schema.org-Daten, XML-Sitemap, passende Title-Tags pro Seite, gute Ladezeit, mobile-friendly, saubere URL-Struktur.
Was es oft tatsächlich ist: Ein Yoast-SEO-Plugin ist installiert. Das ist die komplette Leistung.
Wie Sie es prüfen: Fragen Sie konkret: „Welche Schema-Typen werden eingebaut? Wird die Seite manuell für Meta-Tags optimiert, oder automatisch? Wie ist der Lighthouse-SEO-Wert?" Eine gute Antwort nennt konkrete Werte und Maßnahmen. Eine ausweichende Antwort ist ein Warnsignal.
„Maßgeschneiderte Lösung"
Was verkauft wird: Eine individuell für Sie entwickelte Website.
Was das eigentlich heißen sollte: Das Design ist spezifisch für Ihr Unternehmen entworfen, nicht aus einem Template abgeleitet. Die Struktur folgt Ihrer Zielgruppe und Ihrem Angebot.
Was es oft tatsächlich ist: Ein gekauftes WordPress-Theme, in dem Ihre Logos und Farben eingesetzt werden. Die Grundstruktur ist bei allen Kunden dieser Agentur gleich.
Wie Sie es prüfen: Schauen Sie sich die Portfolio-Seite der Agentur an. Wenn alle Beispielprojekte strukturell ähnlich aussehen (gleicher Hero-Aufbau, gleiche Sektions-Reihenfolge, gleiche Footer-Struktur), ist es kein maßgeschneidertes Design — es ist ein Template mit anderen Farben.
Wichtig: Template-Basis ist nicht per se schlecht. Es kann auch Kostenvorteile haben. Aber dann sollte der Anbieter ehrlich sagen „wir nutzen eine bewährte Basis, die wir auf Ihr Unternehmen anpassen" — nicht „maßgeschneidert".
„Skalierbar"
Was verkauft wird: Die Website wächst mit Ihrem Unternehmen mit.
Was das eigentlich heißen sollte: Technische Struktur, die es erlaubt, später einfach Unterseiten hinzuzufügen, Sprachen zu ergänzen, E-Commerce-Funktionen nachzurüsten — ohne dass alles neu gebaut werden muss.
Was es oft tatsächlich ist: „Wir nutzen WordPress, da kann man später Plugins hinzufügen." Das stimmt zwar, aber das können praktisch alle WordPress-Setups. Es ist kein Qualitätsmerkmal — es ist der Normalfall.
Wie Sie es prüfen: Fragen Sie konkret: „Welche Erweiterungen würden in Zukunft ohne größere Umbauten möglich sein?" Eine gute Antwort nennt konkrete Beispiele. Eine ausweichende Antwort zeigt, dass „skalierbar" nur ein Schlagwort war.
„User Experience optimiert"
Was verkauft wird: Die Website ist so gebaut, dass Besucher sich darin wohlfühlen.
Was das eigentlich heißen sollte: Klare Navigation, eindeutige Call-to-Action-Elemente, lesbare Typografie, schnelle Ladezeit, intuitive Struktur, saubere Mobile-Bedienung. Idealerweise getestet mit echten Nutzern oder zumindest mit bewussten UX-Entscheidungen begründet.
Was es oft tatsächlich ist: „Unsere Designer achten auf UX" — ohne dass das konkret belegbar wäre. Kein User-Testing, keine UX-Prinzipien, nur allgemeine Aussagen.
Wie Sie es prüfen: Fragen Sie nach konkreten UX-Entscheidungen in Beispielprojekten. „Warum haben Sie auf Projekt X den Hauptbutton rechts oben platziert?" Eine gute Antwort hat eine Begründung. Eine schwammige Antwort zeigt, dass die Entscheidung beliebig war.
„Best Practices"
Was verkauft wird: Die Website wird nach modernen Standards gebaut.
Was das eigentlich heißen sollte: Konkrete Standards wie WCAG 2.1 für Barrierefreiheit, Core Web Vitals für Performance, DSGVO für Datenschutz, Schema.org für strukturierte Daten, W3C-Validierung für korrektes HTML.
Was es oft tatsächlich ist: Ein leeres Schlagwort, das keine konkreten Anforderungen beinhaltet. „Best Practices" kann jeder behaupten, ohne dass irgendetwas konkret zugesichert wird.
Wie Sie es prüfen: Fragen Sie nach der konkreten Liste von „Best Practices", die eingehalten werden. Wenn die Antwort eine konkrete Liste ist (WCAG 2.1 AA, Lighthouse 90+, W3C-valid, etc.), ist es seriös. Wenn die Antwort nur weitere Schlagwörter bringt, ist es Marketing-Luft.
Warum Sie trotzdem konkret fragen sollten
Marketing-Sprache ist nicht per se böse. Manche Anbieter nutzen sie einfach, weil sie im Markt Standard ist und jeder sie kennt. Die Frage ist, ob hinter den Schlagwörtern konkrete Qualität steht — oder ob sie nur Fassade sind.
Der einfachste Test: Fragen Sie nach. Ein seriöser Anbieter kann jedes seiner Marketing-Versprechen konkret übersetzen und mit Beispielen belegen. Ein Anbieter, der bei konkreten Fragen ins Schwimmen kommt, hat die Versprechen nur abgeschrieben und nicht verinnerlicht.
Wie wir es handhaben
Wir versuchen, Marketing-Sprache zu vermeiden. Stattdessen sagen wir konkret, was wir liefern:
- „Mobile-first gebaut" statt „responsive". Konkret heißt das: Entwurf zuerst für 375px Viewport, dann für Desktop erweitert.
- „Lighthouse 90+ in allen Kategorien" statt „performance-optimiert". Konkret heißt das: Messbare Werte, die Sie selbst prüfen können.
- „Schema.org Organization und Service" statt „SEO-optimiert". Konkret heißt das: Strukturierte Daten mit definierten Typen.
- „Statisches HTML, kein CMS" statt „maßgeschneidert". Konkret heißt das: Saubere technische Basis ohne Plugin-Overhead.
- „Vier Wochen Lieferzeit, verbindlich" statt „schnell und flexibel". Konkret heißt das: Schriftlich zugesichertes Live-Datum.
Klartext ist nicht unhöflich — es ist fair. Es respektiert die Zeit des Kunden, indem es keine Versprechen macht, die später erklärt werden müssen. Wenn Sie Agenturen vergleichen, achten Sie darauf, wie konkret sie ihre Aussagen formulieren. Konkretheit ist der zuverlässigste Indikator für Qualität.